„Vor allem im Vereinssport sei das Miteinander-sprechen-Können zentral – nicht nur generell für das Gruppenklima, sondern mehr noch für das Zugehörigkeitsgefühl zur Mannschaft und zum Verein.“
Calmbach, M. et al. (2024): Wie ticken Jugendliche? SINUS-Jugendstudie 2024: Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. Bonn. S. 288.
Vom Brandfleck zum Projekt
Auf dem Gelände des Reitvereins Mügeln e. V. erinnerte eine brachliegende Fläche lange Zeit an einen Brand, durch den eine alte Halle zerstört wurde. Glasscherben im Boden machten den Platz aufgrund der Verletzungsgefahr für Pferde unbrauchbar, Training und Veranstaltungen waren dort nicht mehr möglich. Die Fläche blieb über einen längeren Zeitraum ungenutzt. Unter dem Projektnamen „Power Pony Arena“ entwickelte die vereinseigene Jugendgruppe die Idee, die Fläche zu sanieren und somit wieder als Reitplatz nutzbar zu machen. Die Umsetzung des Projekts war zugleich eine gemeinschaftliche Leistung des gesamten Vereins: Mitglieder aller Altersgruppen brachten sich mit Arbeitskraft und Engagement ein. Unterstützung erhielten sie dabei von Hoch vom Sofa!.

Bindeglied zwischen den Generationen
Eine wichtige Rolle im Projekt spielte Mascha Borda, die mit 21 Jahren bereits viel Verantwortung als Vereinsvorsitzende übernimmt. Sie ist selbst seit ihrer Kindheit im Reitsport aktiv und fungiert im Verein als verbindende Person zwischen der Jugendgruppe und Erwachsenenstruktur. Ihre Position ermöglicht es, die Ideen der Jugendlichen in Entscheidungsprozesse einzubringen und ihre Umsetzung zu begleiten. Innerhalb des Vereins wird sie als wichtige Ansprechpartnerin wahrgenommen. Gemeinsam mit ihr und der Jugendgruppe wurde die Projektidee in einer Konzeptwerkstatt konkretisiert und ein Ablaufplan erstellt.

Gemeinsam ans Ziel: Erfolgreiche Umsetzung und gestärkter Zusammenhalt
Schließlich wurde in nur zwei Monaten Projektlaufzeit die Fläche in mehreren Arbeitseinsätzen erfolgreich neu hergerichtet. Zunächst wurde das gesamte Gestrüpp entfernt, anschließend wurde umgegraben und aufgeschüttet. Lediglich der Reitersand muss noch abschließend begradigt werden. Für die Gruppe war das sichtbare Vorankommen ein Motivationsschub. Fortschritte waren direkt erkennbar und am Ende stand ein echtes Endprodukt. Besonders positiv wurde erlebt, dass im Verein gemeinsam angepackt wurde und sich die Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen und Erwachsenen spürbar verbessert hat. Das Gruppengefühl sei gewachsen, auch weil man sich häufiger traf, gerade außerhalb der Saison. Die gemeinsame Zeit jenseits von Training und Reitsportalltag wurde als überraschend wertvoll beschrieben.

Die feierliche Einweihung im Advent
Parallel zu den baulichen Vorbereitungen wurde eine öffentliche Einweihung in Form einer Weihnachts- und Adventsfeier im Dezember geplant. Dabei sollte die neue Fläche erstmals vorgestellt und für Interessierte aus der Umgebung zugänglich gemacht werden. Die Jugendlichen übernahmen dabei große Teile der Organisation und Gestaltung, darunter Dekoration, Kochen und Backen sowie die Programmgestaltung. Die Veranstaltung hatte eine doppelte Funktion: Einerseits wurde der Platz nach außen präsentiert, andererseits konnte sich die Gruppe für ihre geleistete Arbeit selbst feiern.
Sport für alle: Von Mounted Games bis Hobby-Horsing
Inhaltlich bot die Feier Einblicke in die Sportart Mounted Games, die im Verein bereits eine wichtige Rolle einnimmt. Ein weiterer Programmpunkt war ein Hobby-Horsing-Turnier. Diese Sportform kommt ohne lebende Tiere aus, ist vergleichsweise niedrigschwellig und lässt sich mit wenig Material umsetzen. Gerade vor dem Hintergrund, dass Reitsport oft an finanzielle Voraussetzungen gebunden ist, entstand damit ein Angebot, das auch Kinder und Jugendliche ohne Vereinserfahrung ansprechen kann. Die Resonanz bestätigte diese Idee: Zur Feier kamen rund 50 Besucher:innen, etwa 20 davon von außerhalb des Vereins. Die positive Stimmung zeigte, dass das Angebot gut ankam und wie viel Freude es den Teilnehmenden bereitete.
Nachhaltiges Engagement
Rückblickend beschreibt die Gruppe, dass sie viel gelernt hat. Sie haben gelernt, wie man eine Fläche überhaupt baut und herstellt, wie die Organisation von Veranstaltungen funktioniert und wie Zusammenarbeit in einer gemischten Gruppe gelingt. Besonders prägend war die Erfahrung, an einer eigenen Vision festzuhalten. Das Projekt wirkt bereits in die Zukunft hinein. Aktuell läuft die Anmeldephase, um Hobby Horsing im nächsten Jahr als festes, wöchentliches Angebot im Reitverein zu etablieren. Dieses wird durch freiwilliges Engagement aus der Jugendgruppe getragen. Damit wird aus einer wiedergewonnenen Fläche mehr als nur ein neuer Platz – ein sichtbares Ergebnis gelebter Jugendbeteiligung.

Text: Nadja Hiller; Projektbegleiterin Hoch vom Sofa! 02/2026