Lommatzsch wird zur „Stadt der Ringe“

„Eine Vielfalt von Partizipations- und Teilhabemöglichkeiten, (Zeit-)Raum für Engagement, Mitbestimmungsmöglichkeiten […] stellen wichtige Schritte dar, Demokratie für junge Menschen erfahrbarer zu gestalten. Dies ist insbesondere im Hinblick darauf bemerkenswert, dass ein Zusammenhang zwischen einer positiven Einstellung zur Demokratie und der Selbstwirksamkeit durch bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement besteht.“

BMFSFJ (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht – Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. S. 488.

Von der Schulidee zum eigenen Projekt

Das Projekt „Die Stadt der Ringe“ ist ein Beispiel dafür, wie Jugendbeteiligung im kommunalen Raum sichtbar und wirksam werden kann. Entstanden ist die Idee im Rahmen eines Demokratieprojekts an der Oberschule „Lommatzscher Pflege“, bei dem Schüler:innen der achten Klassenstufe eigene Projektideen für ihre Stadt entwickelten. Ziel des schulischen Projekts war es, demokratische Aushandlungsprozesse erlebbar zu machen und jungen Menschen zu zeigen, dass ihre Perspektiven für das Gemeinwesen relevant sind. Auch wenn die Projektidee der Gruppe um Tom und Matthis bei der Abstimmung keine Förderung durch die Gemeinde erhielt, entschieden sich die Jugendlichen bewusst dafür, ihr Vorhaben dennoch weiterzuverfolgen.

Engagement ohne Eigennutz: Eine Idee für das Gemeinwohl

Mit der Unterstützung von Hoch vom Sofa! konnten sie ihre Idee schließlich umsetzen. Bemerkenswert an dem Projekt ist, dass es keinen unmittelbaren Nutzen für die Projektgruppe selbst verfolgt. Stattdessen richtet sich das Engagement an den öffentlichen Raum und an Menschen, die im Alltag häufig unsichtbar bleiben. Die Jugendlichen entwickelten das Konzept, an stark frequentierten Orten in Lommatzsch Pfandringe an Laternen in unmittelbarer Nähe von Mülleimern zu befestigen. In diese Metallringe können Pfandflaschen gestellt werden, anstatt sie wegzuwerfen. Besonders unterstützt wurden sie dabei von ihrem Lehrer Herrn Frederik Fanter.

Das Prinzip der Pfandringe

Das Projekt verfolgt mehrere miteinander verbundene Ziele. Einerseits soll das Stadtbild sauberer wirken, indem weniger Pfandflaschen achtlos entsorgt werden. Andererseits wird das Recycling gefördert, da das Pfandmaterial gezielt gesammelt und wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt wird. Darüber hinaus ermöglichen die Pfandringe eine würdevollere Form des Pfandsammelns. Menschen, die auf das Sammeln von Pfand angewiesen sind, müssen nicht mehr im Müll suchen, sondern können die sichtbaren Flaschen unkompliziert aus den Ringen entnehmen. Gleichzeitig bietet das System auch Jugendlichen die Möglichkeit, ihr Taschengeld aufzubessern.

Vom Plan zur Umsetzung: Pfandringe für die Stadtgesellschaft

Nach mehreren Treffen und Abstimmungen mit der Stadt als verantwortliche Trägerin wurden die Pfandringe kurz vor den Sommerferien gemeinsam an den vorgesehenen Laternen montiert und im öffentlichen Raum offiziell eingeweiht. Dadurch wurde das Projekt für die Stadtgesellschaft sichtbar und zugleich als gemeinschaftliches Anliegen verankert. Als Anerkennung für ihr Engagement organisierten die jungen Menschen im Anschluss eine kleine Grillfeier, die ihnen Raum bot, den gemeinsamen Erfolg zu feiern und das Erreichte wertzuschätzen.

Demokratie im Alltag lernen

Für die beteiligten Jugendlichen war nicht nur das sichtbare Ergebnis wichtig, sondern vor allem der Weg dorthin. Sie sammelten Erfahrungen in den Bereichen Projektplanung, Kommunikation und Abstimmung mit verschiedenen Akteur:innen und merkten dabei, dass ihr Einsatz tatsächlich etwas bewirken kann. Das Projekt zeigt sehr anschaulich, wie Programme wie Hoch vom Sofa! dazu beitragen, demokratische Kompetenzen zu stärken und junge Menschen als ernstzunehmende Akteur:innen im Sozialraum zu unterstützen. „Die Stadt der Ringe“ ist somit weit mehr als ein Umweltprojekt. Es steht für gelebte Jugendbeteiligung im Alltag einer Kleinstadt. Es macht deutlich, wie wirksam Mitgestaltung sein kann, wenn junge Menschen echte Entscheidungsspielräume erhalten und Verantwortung übernehmen dürfen. Die Umsetzung der Pfandringe zeigt zudem, dass Beteiligung nicht bei symbolischen Gesten endet, sondern sich in konkreten Veränderungen des eigenen Lebensumfelds wiederfinden kann.