„Kinder und Jugendliche müssen zudem die Erfahrung machen, dass ihre Meinung tatsächlich gehört und berücksichtigt wird, dass ihr Engagement etwas bewirkt. Wenn sie dies von klein auf lernen und positive Beteiligungs- bzw. Demokratieerfahrungen sammeln, dann engagieren sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter gesellschaftlich, dann gestalten sie die Zukunft der Demokratie.“
Deutsches Kinderhilfswerk: Kinder- und Jugendbeteiligung: Kinderrechte in Deutschland – kinderrechte.de. Zugegriffen 7. April 2026.
Jede:r in Frankenthal kennt das „Skater-Einsatz-Kommando“
Eigentlich war es nur eine witzige Idee, welche sieben Teenager-Jungs aus der kleinen Oberlausitzer Gemeinde einkam, als sie die Nahumgebung für ihr Hobby „durchforsteten“. Eine Tour führte sie zum wohl abenteuerlichsten Skateplatz des Landkreises – versteckt an der Bautzner A4. Alles aus Beton, alles selbst gebaut, alles mit viel Liebe zum Detail in einem kleinen Fabrikgelände etabliert. Der Verein Bautzen rollt e. V. ist regionaler Vorreiter bei dieser jugendaffinen Trendsportart „Skaten“, welche sonst eher in urbanen Räumen Platz findet. Diese Station war für die Jugendlichen aus Frankenthal der Startschuss für eine eindrucksvolle eigene DIY-Welt in ihrem kleinen Dorf – und für den eindrücklichen Namen, der mit S.E.K. abgekürzt für viel Verwirrung, aber auch für viel Aufmerksamkeit sorgt.

Kurze Zeit nach der Tour und nunmehr seit vier Jahren gibt es einen aus Holz und Siebdruckplatten selbst zusammengestellten (und sogar TÜV-gerechten) Skateplatz in „Frankeln“ (Orts-Spitzname), hinter dem nicht nur die Einwohnenden des Dorfes stehen, sondern auch Vereine, Schule und Skate-Aktivisten der Umgebung. Und das „Learning By Doing“ der Jungs reicht mittlerweile vom Tischlerhandwerk über sportliche Talentförderung und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Graffitikunst. Dementsprechend bunt schmiegt sich der Platz an das benachbarte Stadion.
Eine Frage vom Anfang des Projektes ist nun aktuell
Als im Frühjahr 2022 das Projekt den Eltern und Engagierten im Ort vorgestellt wurde, war ein immanente Frage im Raum, welche – wohl in der Natur der Dinge liegend – erst ein paar Jahre später Antworten finden konnte. 2025 war es so weit und nun kommt auch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Sachsen mit Hoch vom Sofa! ins Spiel…
„Was passiert mit einem Jugendplatz, wenn die Initiatoren „herauswachsen“ und neue Lebenswege einschlagen?“
So geschehen nach 3 Jahren S.E.K.-Engagement. Ferdinand – der Headliner der Gruppe – macht nun eine Ausbildung und ist selten da. Die anderen Jungs haben die Mopeds für sich entdeckt und genießen die neuen mobilen Freiheiten.
Natürlich soll das Gelände jugendgerecht erhalten bleiben! Das funktioniert aber nur, wenn neue Interessierte sich für diese Idee begeistern. Viele der örtlichen Grundschüler:innen haben andere Hobbys und wünschen sich dementsprechend neue offene Angebote.
Was nun?
Ein Platz erfindet sich Stück für Stück neu
Das Abstimmungstreffen im Frühjahr 2025 kann man wohl durchaus als Krisensitzung bezeichnen. Zumal eines der Skateelemente – die imposante Halfpipe – im Zustand nicht mehr nutzbar war. Umso wichtiger war es, die Köpfe zusammenzustecken und kreativ nach anderen Lösungen zu suchen – am besten, solchen, welche Altes und Neues miteinander verbinden.
Gemeinschaftlich wird sich dafür entschieden, einen Teil der Skateanlage zu erhalten und fleißig bei der neuen Generation Werbung zu machen. Eine lustige und aufregende Teamaktion mit allen 4.-Klässler:innen der evangelischen Grundschule Frankenthal im Mai war die Folge. Zur letzten Unterrichtsstunde am Freitag ging es mit Sportlehrer und Hortleiterin zum „Skater“, Spiele wurden gespielt, das Projekt vorgestellt und eine Umfrage gestartet. In deren Ergebnis wurde die Halfpipe schweren Herzens aufgegeben. Dafür glänzt der Platz jetzt dank der Hoch vom Sofa!-Förderung mit gut frequentierter Outdoor-Tischtennisplatte und Streetballkorb. Das Equipment dafür finden Passierende in zwei Plastekisten. So können Schläger und Bälle quasi spontan geschnappt und genutzt werden. Und schon entstand eine 3in1-Sportanlage inklusive reichlich Reparaturmaterial für die verbliebenen Skateelemente. Die zu erhalten ist nicht so schwierig. Ist doch alles selbst aufgebaut und unterstützt von erwachsenen Enthusiasten wie Reiko. Der junge Papa stieß zum Projekt dazu, weil es ihm wichtig ist, dass sein Sohn einmal von der Anlage profitiert. Der ist nun 7 Jahre und gehört – bei diesen Vorbildern mit hoher Wahrscheinlichkeit – wohl bald zur neuen „S.E.K.“-Generation.

Euer Projektbegleiter
Torsten (Louie) Kluge


Text: Thorsten Kluge, Projektbegleiter Hoch vom Sofa! 04/2026