„Die Mitwirkungsmöglichkeiten können der nachwachsenden Generation deutlich machen, dass es im demokratischen System und in der eigenen Lebenswelt wichtig und notwendig ist, sich einzumischen – und dass diese Einmischung erfolgreich sein kann. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit im politischen Raum wiederum schafft Möglichkeiten, sich mit dem eigenen Lebensumfeld – sei es in der Kommune oder in Institutionen – zu identifizieren.“
BMFSFJ: Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, 2015, 3. Auflage, S. 7.
Hier ist es wie ein großer „Gruppenchill“!
Es ist quasi immer Gewusel im Jugendfreizeitzentrum in Radeberg, einem von nur zwei sozialpädagogisch betreuten Jugendtreffs in der Region östlich von Dresden. Alle Jugendlichen sind hier im Teenager-Alter, kennen sich nur teilweise durch die Schule und haben an sich (gäbe es diesen Treff nicht) wenig bis nichts miteinander zu tun.
Das macht es herausfordernd für Sozialarbeiter Ludwig, der immer auf der Suche nach gemeinsamen und motivierenden Aktionen für alle ist. Er möchte, dass die Einzelnen oder Grüppchen so zusammenwachsen, dass gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt, Verständnis und Toleranz ins Haus einziehen. Verantwortung übernehmen und selbstständig etwas auf die Beine stellen, ohne von Erwachsenen abhängig zu sein, ist seine Vision.
Da kam das Programm Hoch vom Sofa! gerade zum richtigen Zeitpunkt. Wenn etwas Neues von außen in eine „Bubble“ hineingetragen wird, sorgt das neben Neugier natürlich auch für Skepsis. Aber es gab ein Ziel, das dafür sorgte, dass 10 bis 15 Jugendliche sich auf das Projekt der besonderen Art eingelassen haben: die Bar sollte neu und cool gestaltet werden. Dass schließlich auch die Wände einen frischen Anstrich bekamen, war wohl dem Spaß geschuldet, den die Jugendlichen am praktischen Tun in IHREM Club hatten.
Rückblickend befragt, gaben uns vier junge Männer ein Meinungsbild zu Hoch vom Sofa! und damit werden Damian, Marlin, Tim und Vinzenz zitiert:

„Das Gefühl der eigenen Verantwortung ist im
Projektverlauf mehr geworden“
Wie war es am Anfang, als euch das Förderprogramm vorgestellt wurde?
„So eine Vorstellung war mal was Neues“ (Marlin) und „es ist immer ganz interessant, neue Leute kennen zu lernen“ (Vinzenz). „Außerdem war Louie [Red.: Spitzname des Programmbegleiters] ziemlich entspannt und es ist sinnvoll, dass eine Person solche Förderprogramme erklärt“ (Tim).
Wie seht ihr Hoch vom Sofa! im Nachgang?
„Hoch vom Sofa! ist was Gutes. Jugendliche können Geld kriegen“ (Damian) und „aus dem Geld kann man was Cooles machen“ (Marlin).
Wie war es so als „Projekt-Team“?
„Wir haben am Anfang ‘ne Liste gemacht und durchgefragt, wer Lust hat. Ich denke, wir haben gut zueinandergefunden und uns immer gegenseitig unterstützt. Zusammen geht echt mehr als allein“ (Tim). „Das Gefühl der eigenen Verantwortung ist im Projektverlauf mehr geworden“ (Damian) und „das Team besteht teilweise jetzt noch. Eigentlich mussten wir damals die Gruppe in zwei Teams teilen – Bar und Streichen, die dann wie in Schichten Arbeitseinsätze gemacht haben. Bei der Aktion haben uns Handwerker unterstützt, die man mit zum Team zählen sollte“ (Damian). Für diejenigen, die immer alle zusammengehalten haben, gibt’s seitdem sogar einen Spitznamen: die OG‘s [Red.:heißt so viel wie die Originalen oder die Obergangster]“ (Ludwig). „Das Wichtigste: alle sind zufrieden mit der Bar!“ (Tim).
Gabs Anerkennung für das, was ihr geschafft habt?
„In erster Linie von Ludwig“ (Damian). „Aber auch von Elternteilen, die fanden, dass es echt cool geworden ist“ (Tim), aber auch „von uns selbst. Wir haben viel gelernt!“ (Marlin). „Und die Stadtverwaltung wird sich auch noch eine anerkennende Überraschung einfallen lassen und bei uns vorbeikommen.“ (Ludwig)
Was waren eure persönlichen Highlights?
„Wir haben die Bar geschafft, nachdem es am Anfang echt lange gedauert hat!“ (Damian). „Es war ein gutes Gefühl, als es irgendwann fertig war“ (Tim) und „selbst zu gestalten, macht echt Spaß!“ (Marlin). „Durch eigene Arbeit ist was Schönes rausgekommen“ (Vinzenz) und „die Eröffnungsfeier war riesig!“ (Ludwig).
Was hat das Projekt nun gebracht?
„Die Leute reden mehr miteinander. Die Atmosphäre ist viel ansprechender geworden und schließlich macht es hier Laune, Menschen zu treffen, die man mag“ (Damian).

„Selbst zu gestalten, macht echt Spaß!“
Apropos „hier“: Welchen Sinn seht ihr in einem Jugendfreizeitzentrum?
„Hier ist es cool, weil es genug Abwechslung gibt – sei es durch Gaming, Simulator, Boxsack, Tischtennisplatte oder auch durch Aktionen wie Grillen, Ausflüge oder Selbstverteidigungskurse. In Radeberg gibt es nix zu tun außer hier im und am Haus. Ohne JFZ wäre die Stadt noch viel toter. Hier ist es wie ein großer Gruppenchill“ (Damian).
Könntet ihr euer Projekt unter ein Motto stellen?
„Upgrade Jugendclub“ (Marlin) oder „never give up“ (Vinzenz).
Wie geht’s nun weiter?
„Wir haben noch einiges vor: eine Graffitiwand im Außengelände, die Bar weiter gestalten (zum Beispiel mit einem 3m großen Aufkleber, gesponsert vom ansässigen Textilladen) oder einen Raumtrenner mit coolem Design. Hierzu wollen wir ein Trabbi-Heck besorgen und aus der Wand schauen lassen. Verbunden mit dem Fahrsimulator wird das echt abgefahren.“ (Damian und Ludwig)
Text: Torsten (Louie) Kluge, Projektbegleiter Hoch vom Sofa! 04/2026