Vom alten Imbiss zum neuen Jugendtreff

„Beteiligung ist elementarer Bestandteil von Zivilgesellschaft und damit die Basis einer Demokratie. Daher ist auch die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an den Entscheidungen in einer Stadt oder Gemeinde nicht nur ein wünschenswertes Zusatzattribut, sondern Grundpfeiler eines demokratischen Zusammenlebens.“

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung, 2023.

Wie junge Menschen in Venusberg ihr eigenes Bauprojekt verwirklichten

Was passiert mit einem ehemaligen Imbiss am Sportplatz im Ortsteil Venusberg?
Er bekommt eine zweite Chance – und wird zum Herzensprojekt einer engagierten Jugendgruppe.

Mit Unterstützung des Programms „Hoch vom Sofa!“ und viel Eigeninitiative machten sich Jugendliche aus Venusberg und Umgebung daran, aus einem leerstehenden Gebäude einen wettergeschützten Treffpunkt für sich und andere zu schaffen. Was zunächst nach einer kleinen Idee klang, entwickelte sich schnell zu einem beeindruckenden Bauprojekt in Eigenregie.

Alles begann mit einer Vision

Beim ersten Kennenlerntermin besuchte das Team von „Hoch vom Sofa!“ den idyllischen Ortsteil Venusberg. Dort stand er: ein alter, leerstehender Imbiss direkt am Sportplatz – unscheinbar, etwas in die Jahre gekommen, aber voller Potenzial.

Die Jugendlichen hatten eine klare Vorstellung: Aus diesem Ort sollte ein Treffpunkt entstehen. Ein Raum für Austausch, für Gespräche, Spieleabende oder einfach zum Zusammensitzen – unabhängig vom Wetter und selbst gestaltet.

Die Lage? Ein Volltreffer!

Die direkte Nähe zum Fußballplatz machte den Imbiss besonders attraktiv. Viele der Jugendlichen teilen die Leidenschaft für Fußball – der Treffpunkt liegt also genau dort, wo sie ohnehin viel Zeit verbringen.

Mit dem Vertrauen der Gemeinde im Rücken und der fachlichen Begleitung durch „Hoch vom Sofa!“ konnte in der Konzeptwerkstatt losgeplant werden. Terminen wurde geplant, diskutiert, gerechnet und entworfen. Wer übernimmt welche Aufgaben? Was wird benötigt? Und was trauen wir uns selbst zu?

Die Antwort lautete ziemlich schnell: eine ganze Menge!

Ärmel hochkrempeln – jetzt wird gebaut

Nach der Bewilligung des Projektantrags ging es an die Umsetzung. In den darauffolgenden Monaten wurde aus der Idee Realität – und aus Jugendlichen echte Bauherren.

Wände wurden eingerissen, ein neuer Fußboden verlegt, das Dach erneuert und Malerarbeiten durchgeführt. Es wurde geschleppt, geschraubt, gestrichen und immer wieder gemeinsam überlegt, wie die nächsten Schritte aussehen. Dabei bewiesen die Jugendlichen nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Durchhaltevermögen, Ideenreichtum und Teamgeist.

Der alte Imbiss verwandelte sich Stück für Stück in einen einladenden Raum – einen Ort, der ihre Handschrift trägt. Ein Treffpunkt, den sie selbst geplant und gebaut haben.

Ein warmer Abschluss – im doppelten Sinne

Zum offiziellen Abschlusstreffen besuchte Projektbegleiterin Lena die Gruppe im frisch renovierten Raum. Drinnen war es wohlig warm – nicht nur dank des neu installierten Heizstrahlers, sondern auch wegen der spürbaren Zufriedenheit und des Stolzes der Jugendlichen.

Neue Sitzmöglichkeiten laden inzwischen zum Verweilen ein. Wo früher Leere herrschte, wird heute gelacht, diskutiert und gemeinsam Zeit verbracht. Der Raum ist mehr als nur renoviert – er ist belebt.

Und wie geht es weiter?

Stillstand? Fehlanzeige. Schon für das Frühjahr haben die Jugendlichen das nächste Ziel ins Auge gefasst: Die Außenanlage soll gestaltet werden. Der Treffpunkt soll auch von außen sichtbar machen, was hier entstanden ist.

Eine weitere Idee entstand ebenfalls beim Abschlusstreffen: Warum den Imbiss nicht bei Heimspielen der Herrenmannschaft wieder zum Leben erwecken? Ein kleiner Verkauf zu den Fußballspielen könnte nicht nur die Gemeinschaft stärken, sondern auch neue Möglichkeiten für zukünftige Projekte eröffnen.

Mehr als ein Bauprojekt

Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was Jugendbeteiligung im ländlichen Raum bewirken kann. Wenn junge Menschen Vertrauen, Unterstützung und Gestaltungsspielraum bekommen, entstehen nicht nur renovierte Räume – es entstehen Verantwortung, Selbstbewusstsein und Gemeinschaft.

Die Jugendlichen aus Venusberg haben geplant, organisiert und tatkräftig selbst gebaut. Sie haben bewiesen, dass man ihnen etwas zutrauen kann – und sollte.